Wie werden die Mitarbeiter über den Verkauf der Praxis informiert?

Nicht nur für den Praxiseigentümer ist die Planung und Umsetzung einer Nachfolgelösung eine grosse Herausforderung. Gerade für die Mitarbeiter sind die mit einem Verkauf der Praxis verbundenen Veränderungen mindestens ebenso bedeutsam wie für den Eigentümer.

Es gibt meiner Erfahrung nach einen grossen Unterschied zwischen dem wie ein Praxiseigentümer den Verkaufsprozess erlebt und wie dies von seinen Mitarbeitern erlebt wird.

Praxisverkauf Mitarbeiter


Der Eigentümer beschäftigt sich aktiv mit der konkreten Ausgestaltung seiner Nachfolge. Jeder Verkäufer setzt sich mit der Frage auseinander, ob er auch nach dem Verkauf seiner Praxis noch in einem Angestelltenverhältnis seine Patienten weiterbetreuen möchte oder nicht. Meist findet im Vorfeld des Verkaufs eine Besichtigung eines bereits bestehenden Standortes des Käufers statt und so entsteht ein konkretes Bild, wie das Arbeitsumfeld nach dem Verkauf aussehen wird. Für den Eigentümer ist der Verkaufsprozess geprägt von einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Schlussendlich liegt es an ihm, sich für eine von oft mehreren Varianten zu entscheiden.

Die Mitarbeiter erleben den Praxisverkauf aber völlig anders. Teilweise wissen Sie bescheid, dass eine Veränderung geplant ist, teilweise ahnen Sie es und manchmal kommt der Verkauf für sie völlig überraschend.

Wie informiert man die Mitarbeiter am besten über die getroffene Entscheidung und zu welchem Zeitpunkt? Schlussendlich gibt es dafür weder ein Patentrezept, noch gibt es eine Garantie, dass alle Teammitglieder die Veränderung mittragen werden. Was man aber beeinflussen kann, ist, dass die Mitarbeiter spätestens nach der Vertragsunterzeichnung über die anstehende Veränderung informiert werden. Durch eine gemeinsame Information über die getroffene Nachfolgelösung können die Mitarbeiter aktiv in den Prozess eingebunden werden. Die dabei wichtigste Nachricht aus Sicht des Mitarbeiters ist, dass sein Arbeitsplatz auch nach dem Verkauf gesichert ist. Mit dieser Information kann man von den Mitarbeitern die grössten Sorgen nehmen. Dies ist aber noch nicht gleichbedeutend damit, dass er oder sie auch für den neuen Arbeitgeber arbeiten möchten. Schlussendlich hat sich der Mitarbeiter ja nicht bei der Unternehmung beworben – sondern durch den Kauf wurden sie quasi “übernommen”.

Dieses Gefühl sollte am besten gar nicht aufkommen. Der alte Chef ist im Team derjenige, der das Vertrauen seiner Mannschaft geniesst. Nur er kann seinem Team klar machen, aus welchen Motiven heraus er sich genau für diesen Käufer bzw. genau für dieses Unternehmen als Partner entschieden hat. Blickt er voller Zuversicht in die Zukunft, so werden auch seine Mitarbeiter den Veränderungen positiver gegenüberstehen.

Auch der Käufer kann seinen Teil dazu beitragen, dass das Team intakt bleibt. Er vermittelt, dass die Arbeitskraft auch in der neuen Eigentümerkonstellation gebraucht und wertgeschätzt wird. Er erklärt den Mitarbeitern die neuen Arbeitsbedingungen und organisiert einen strukturierten Einarbeitungsprozess. Wichtig ist auch, dass die neuen Mitarbeiter den anderen Teammitgliedern des Käufers/der Käuferin rasch vorgestellt werden.

Im Rahmen meiner praktischen Erfahrung im Bereich der Unternehmenskäufe habe ich schon viel erlebt, aber ehrlicherweise muss ich sagen: Es ist die absolute Ausnahme, dass die Mitarbeiter sich auf die mit einem Eigentümerwechsel verbundenen Veränderungen freuen.

Und wenn ich an dieser Stelle noch ehrlicher bin: Es ist nicht möglich, jeden Mitarbeiter für den neuen Weg zu begeistern. Wir leben zum Glück in einer freien Welt und jeder wird schlussendlich für sich selbst entscheiden, ob er am neuen Ort langfristig weiterarbeiten möchte oder nicht. Was was man als Verkäufer bzw. als Käufer dazu beitragen kann, ist es offen und ehrlich zu sein und die Mitarbeiter nach dem Kaufvertragsabschluss rasch über die geschaffenen Tatsachen zu informieren. Es ist die gemeinsame Pflicht, die Mitarbeiter mit Ihren Sorgen und Ängsten abzuholen und Ihnen raschestmöglich darzulegen, wie das Arbeitsumfeld nach dem erfolgten Eigentümerwechsel aussehen wird.

Im Normalfall sind die Veränderungen viel weniger gravierend, als die Mitarbeiter nach der ersten Information annehmen. Schliesslich verfolgen die neuen Eigentümer dieselben Ziele, welche die Praxis auch bis dato verfolgt hat: qualitativ gute Arbeit für die Patienten, eine gute Stimmung im Team und ein konstruktives Miteinander.