Rentenkürzung kurz vor der Pensionierung? Eine kurzfristige Senkung des Umwandlungssatzes hat gravierende Auswirkungen auf die Altersplanung

Autoren: Josef Zopp und Gaby Syfrig (Sonntagszeitung, 12.06.2016)

Drei Faktoren bestimmen die Höhe der Altersrenten der Pensionskassen: die Sparbeiträge während des Arbeitslebens, die jährliche Verzinsung des angesparten Kapitals sowie der Umwandlungssatz im Zeitpunkt der Pensionierung. Über vierzig Versicherungsjahre leisten Arbeitnehmende und Arbeitgeber Sparbeiträge. Das angesparte Kapital wird jährlich durch die Pensionskassen verzinst. Durch diesen Sparprozess wird das Altersguthaben bis zur Pensionierung gebildet.

Verwelkende Blumen

Der langjährige Aufbau der Altersleistungen kann jedoch kurz vor der Pensionierung durch eine Anpassung des Rentenumwandlungssatzes stark beeinflusst werden. Wird er kurz vor der Pensionierung gesenkt, bleibt den Versicherten keine Zeit, die dadurch entstandenen Renteneinbusse zu kompensieren. Der Umwandlungssatz setzt sich aus zwei Parametern zusammen: der statistischen Lebenserwartung der Versicherten sowie den erwarteten Anlageerträgen aus dem Deckungskapital.

Gemäss des Bundesamtes für Statistik beträgt die aktuelle Lebenserwartung in der Schweiz im Alter von 65 Jahren noch 19,4 Jahre für Männer und 22,4 Jahre für Frauen. Seit Einführung der beruflichen Vorsorge im Jahr 1985 ist damit die Lebenserwartung um rund vier Jahre gestiegen. Das Pensionskassenkapital eines neuen Rentenbezügers muss somit durchschnittlich vier Jahre länger ausreichen, um eine lebenslange Altersrente zu finanzieren. Ohne zusätzliches Sparkapital oder höhere Kapitalerträge muss demzufolge der Umwandlungssatz im System des Kapitaldeckungsverfahrens sinken, sonst geht die Rechnung nicht auf.

Der Umwandlungssatz soll auf sechs Prozent gesenkt werden

Während in den fetten neunziger Jahren hohe Anlageergebnisse erwirtschaftet wurden, sieht es heute anders aus. Tiefe Zinsen auf Obligationen und hohe Schwankungen an den Aktienmärkten ermöglichen keine zuverlässige Zukunftsprognose. Damit drückt nebst der steigenden Lebenserwartung auch die zukünftig tiefere Anlagerendite den mathematisch korrekten Umwandlungssatz stark nach unten. Aber welche Umwandlungssätze werden tatsächlich von den Pensionskassen angewendet?

Der gesetzliche Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent erfordert unter Berücksichtigung der heutigen Lebenserwartung eine Rendite von beinahe fünf Prozent. In der Botschaft zur Reform der Altersvorsorge 2020 hat der Bundesrat festgehalten, dass er langfristig eine Rendite von 3,6 Prozent erwartet. Auf dieser Basis schlägt der Bundesrat in der Altersreform 2020 eine Anpassung des Mindestumwandlungssatzes auf sechs Prozent vor. Dies bedeutet, dass pro 100 000 Franken Sparkapital eine lebenslange Altersrente von 6000 Franken pro Jahr berechnet wird, anstatt wie bis heute 6 800 Franken.

Zahlreiche firmeneigene Pensionskassen sowie jene der öffentlichen Hand haben ihre Umwandlungssätze bereits weit unter sechs Prozent gesenkt. Im Gegenzug wenden die teilautonomen Gemeinschafts- und Sammelstiftungen noch immer vergleichsweise sehr hohe Umwandlungssätze an. Der gesetzliche Mindestumwandlungssatz von aktuell 6,8 Prozent gilt nur auf dem obligatorischen Sparkapital. Versichert ein Arbeitgeber seine Mitarbeitenden freiwillig besser, werden durch höhere Sparbeiträge überobligatorische Guthaben gebildet. Aus diesen Kapitalien können die Pensionskassen den Umwandlungssatz frei bestimmen. Als Folge der zu hohen Umwandlungssätze für obligatorische Guthaben steigt der Druck auf die Umwandlungssätze des überobligatorischen Anteils.

Die Vollversicherer senken die Umwandlungssätze für überobligatorische Guthaben in den nächsten Jahren schrittweise auf rund fünf Prozent. Ein Niveau, das sicherlich auch von deren Aufsicht gern gesehen wird. Letztlich müssen die Leistungsversprechen an die Rentner finanzierbar sein, denn eine einmal ausgerichtete Rente darf nach heutiger Gesetzgebung nicht mehr gekürzt werden.

Viele teilautonome Gemeinschafts- und Sammelstiftungen wenden für obligatorische und überobligatorische Altersguthaben einen einheitlichen Umwandlungssatz an, der unter dem gesetzlichen Mindestwert liegt. Jedoch müssen alle Pensionskassen garantieren, dass bei jeder Pensionierung die gesetzliche Mindestrente ausgerichtet wird. Fällt die Rentenberechnung auf dem gesamten Sparkapital tiefer aus als die gesetzliche Mindestrente, so müssen die Pensionskassen die Renten auf das Minimum anheben.

Beschliesst eine Pensionskasse die Senkung der Umwandlungssätze, bleibt den Versicherten, die kurz vor der Rente stehen, keine Zeit mehr, die Einbussen wieder aufzubessern. Eine Anpassung der Umwandlungssätze sollte durch die Pensionskasse daher mindestens drei Jahre im Voraus kommuniziert werden. Die Analyse zeigt jedoch, dass verschiedene Pensionskassen bis heute noch nicht mitgeteilt haben, welche Umwandlungssätze für Pensionierungen im Jahr 2018 gelten. Ärgerlich für Versicherte, die den bevorstehenden Ruhestand sorgfältig planen wollen.

Umwandlungssaetze