Geldanlage nach dem Praxisverkauf

Eine Information vorweg: Im Rahmen des Verkaufsprozesses Ihrer Praxis bieten wir keine Anlageberatung an. Da Sie sich für Ihre Pensionsplanung aber voraussichtlich mit zwei Ihrer Berater, nämlich Ihrem Versicherungs- und Ihrem Bankberater, zusammensetzen werden, macht es Sinn, sich im Vorfeld in das Thema einzulesen und sich mit den wichtigsten Grundlagen zum Thema Pensionsvorsorge vertraut zu machen.

Durch den Verkauf der eigenen Praxis wird der grosse Vermögenswert Praxis in Kapital umgewandelt. Dies schafft Raum für neue Investitionen – und die Möglichkeit, sich durch eine solide Geldanlage ein regelmässiges Einkommen zu erschliessen.

Geldanlage

1.) Inflation/Deflation

Zuerst die gute Nachricht: Die Inflation ist im Moment quasi inexistent. Es besteht also kein Druck, den erhaltenen Kaufpreis unmittelbar wieder investieren zu müssen. In der jetzigen Situation können Sie die Kaufkraft Ihres Kapitals auch erhalten, wenn Sie dieses einfach nur auf dem Sparkonto Ihrer Bank parken.

Das erklärte Ziel der Europäischen Zentralbank und auch der SNB ist es, eine Inflationsrate von 2% zu erreichen, und früher oder später wird durch die in den letzten Jahren massiv ausgedehnte Geldmenge das angestrebte Inflationsszenario eintreten.

Der nachfolgenden Grafik können Sie entnehmen, wie sich verschiedene Inflationsraten auf die Entwicklung Ihrer Kaufkraft auswirken:

Inflation

Aber was ist zu tun, wenn die Inflation schlussendlich doch einsetzt?

2.) Tilgung der Hypothek

Eine der erfolgreichsten Finanzmythen in der Schweiz ist, dass man Hypotheken aus steuerlichen Überlegungen heraus nicht tilgen soll. Nehmen wir einmal an, Sie haben eine Hypothek über 500.000 CHF mit einem Zinssatz von 2% auf Ihrer Liegenschaft. Sie bezahlen in dem Fall also pro Jahr 10.000 CHF für Ihre Hypothek. Weiters nehmen wir an, dass Ihr persönlicher Grenzsteuersatz nach dem Pensionsantritt bei 25% liegt. In dem Fall beträgt Ihre Steuerersparnis also 2.500 CHF/Jahr. Die Hypothek kostet Ihnen also nach Steuern immer noch 7.500 CHF/Jahr.
Um diese 7 500 CHF durch Geldanlagen hereinzuholen, müssen Sie 500.000 CHF wiederum zu mindestens 2%/Jahr anlegen, welche dann Ihrerseits 10.000 CHF an Zinsen vor Steuern bzw. 7.500 CHF nach Steuern abwerfen. Sie sehen bereits worauf ich hinaus möchte.

Der Schweizer Finanzindustrie ist es gelungen, einen Mythos zu schaffen. An vielen Kunden wird sowohl auf der Aktiv- als auch auf der Passivseite Geld verdient. Ein Kunde mit einem Anlagevermögen von 500.000 CHF und einer Hypothek von 500.000 CHF ist wohl der Lieblingskunde jedes Bankberaters. An ihm verdient die Bank doppelt.

Gerne möchte ich das Gesicht Ihres Beraters in dem Moment sehen, in dem Sie ihm Ihre Entscheidung mitteilen, die Hypothek auf den nächsten Fälligkeitstermin hin vollständig zu tilgen.

3.) Warum Aktien zwar eine Anlageform sind, diese aber ab 55/60 nicht mehr den dominierenden Teil Ihres Portfolios ausmachen sollten.

Ausschnitt aus dem Buch: “Die 7 einfachen Schritte zur finanziellen Freiheit” (von Tony Robbins):

John ist inzwischen 65 Jahre alt, hat ein Vermögen von 500 000 CHF angehäuft und will nun in Rente gehen. John hat in ein “ausgewogenes” Portfolio mit der Aufteilung 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen investiert. John plant jedes Jahr 25.000 CHF von seinem Vermögen zu entnehmen, um damit seinen Lebensunterhalt aufzubessern.

Die Summe, zusammen mit seiner staatlichen Rente sollte ihm ein Auskommen bescheren.
Das Schicksal will, dass John in den ersten Jahren bereits Verluste erzielt. Tatsächlich sind es drei Verlustjahre, die ihn gleich zu Beginn seiner Pension treffen. Kein sehr glänzender Start. Nach nur fünf Jahren hat sich Johns Vermögen von 500.000 CHF bereits halbiert. Und die Entnahmen bei fallenden Märkten beschleunigt die Vermögensvernichtung, da weniger Geld auf dem Konto zur Verfügung steht, wenn sich die Märkte erholen. Aber das Leben geht weiter und es gibt Rechnungen zu bezahlen.

Ab dem Alter von 70 Jahren erlebt John viele solide Wachstumsjahre, aber der Schaden ist bereits entstanden. Mit Ende 70 sieht John die drohenden Anzeichen und weiss, dass ihm das Geld ausgehen wird. Mit 83 Jahren ist sein Vermögen aufgebraucht. Am Ende kann er aus seinem ursprünglichen Vermögen von 500.000 CHF nur 580.960 CHF entnehmen. In andere Worten: Nach 18 Jahren kontinuierlicher Investition hat er nur 80.000 CHF Gewinn auf sein eingesetztes Kapital erwirtschaftet.

Hier aber das Verrückte daran: Während Johns Entnahmephase hat der Markt eine durchschnittliche Jahresrendite von 8 Prozent erzielt. Das ist ein sehr vorzeigbares Ergebnis! (..)

Susann ist auch 65 Jahre alt und besitzt ebenfalls ein Vermögen von 500.000 CHF. Wie John will Sie 25.000 CHF jährlich entnehmen. Bei Susann verläuft die Abfolge der Renditen genau umgekehrt wie bei John. Sie profitiert also nach Ihrem Pensionsantritt von positiven Renditen und erst in den letzten drei Jahren erleidet Sie die starken Verluste, die den Wert Ihres Portfolios halbieren.
Allein durch die Veränderung der Abfolge der Renditen, hat Susan eine völlig andere Erfahrung gemacht als John. Mit 89 Jahren hat sie aus ihrem Vermögen insgesamt 900.000 CHF entnommen und hat immer noch 1.678.000 CHF auf ihrem Konto! Sie genoss einen völlig sorgenfreien Lebensabend.

Zwei normale Bürger, das selbe Vermögen für den Ruhestand, dieselbe Entnahmestrategie: Eine endet in Armut, die andere geniesst finanzielle Freiheit. Und was noch verwirrender ist: Beide erzielten über den gleichen Zeitraum (25 Jahre) die gleiche durchschnittliche Jahresrendite von 8.03%.

Wie ist das möglich? Das Problem liegt darin, dass sich Kapitalverluste, welche zu Beginn der Entnahmephase bei gleichzeitiger Kapitalentnahme kaum mehr aufholen lassen. Das angesparte Kapital wird derart stark reduziert, dass auch die darauffolgenden renditenstarken Jahre zu keiner Erholung des Anlagedepots mehr führen.

3a.) Aktien – Ja; aber mit geringem Einsatz – und mit minimalsten Verwaltungskosten

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie für Ihre persönliche Finanzplanung aus der Geschichte von John und Susann? Während Susann von den Kräften des Zins und Zinseszins profitiert und sich Ihr Vermögen auch während der Rente stattlich entwickelt, stürzt John in einen tiefen Abgrund. Und darauf zu hoffen, dass Sie in den Jahren, in denen Sie es sich am wenigsten leisten können, keine Verluste zu erleiden, ist keine effektive Strategie zur Absicherung Ihrer finanziellen Zukunft.

Ich persönlich habe aus dieser Geschichte folgende Schlussfolgerung gezogen: Natürlich glaube ich an die Kraft des Marktes und ich würde auch in Pension einen gewissen Anteil meines Vermögens in Aktien investieren, um auch weiterhin von der (hoffentlich positiven) Entwicklung der Märkte profitieren zu können. Allerdings nur mit einem geringen Einsatz. Gering sind für mich 15 bis 20% der anzulegenden Vermögenswerte. Diese würde ich breit diversifiziert in kostengünstige an der Börse gehandelte ETF Produkte investieren (z.B. in den SMI).

Für weiterführende Informationen zu diesem Thema empfehle ich Ihnen folgende Webseite: www.justetf.com

4.) Welche anderen Möglichkeiten gibt es?

Einkünfte bedeuten Freiheit! – Ich persönlich würde im Alter Anlageformen mit einem überschaubaren Chance-/Risikoverhältnis wählen und den Schwerpunkt auf jene Anlageformen setzen, die mir ein lebenslanges sicheres Einkommen garantieren. Dies sind allen voran Lebensversicherungen, Anleihen, und wenn ein grosses Vermögen vorhanden ist, Anlegerwohnungen.

4a.) Annuitätenprodukte/Lebensversicherungen

Die wesentlichste Produktgruppe in diesem Bereich, in welche man ohne grossen administrativen Aufwand investieren kann, sind Annuitätenprodukte (Leibrenten). Eine beliebte Investitionslösung ist die Einzahlung in das BVG. Dadurch kann man im Jahr der Einzahlung auch steuerliche Vorteile erreichen, da sich der einbezahlte Betrag im Rahmen der Steuererklärung vom Jahreseinkommen abziehen lässt. In Rücksprache mit Ihrer Versicherung sollte es auch möglich sein, das BVG so anzupassen, dass Sie ein maximales Einzahlungspotential erreichen (Anpassung des BVG für den Personenkreis der Geschäftsführung Ihrer Praxis, ab dem 20ten Lebensjahr, 20% des Einkommens ohne Koordinationsabzug). Durch eine solche Anpassung Ihrer BVG-Polizze erreichen Sie rasch ein Einkaufspotential von mehreren 100.000 CHF.

Der grosse Vorteil dieser Produkte ist, dass man den in der Versicherungspolice zugesicherten Monats-Einkommens-Betrag bis zum letzten Tag auf Erden ausbezahlt erhält. Also auch, wenn man 120 Jahre alt wird. Die Versicherung trägt in dem Fall dieses “Risiko”. Auf diese Art ist es doch doppelt so schön, ein besonders langes und erfülltes Leben zu geniessen.

Anuitaetenprodukt

Legen Sie vor dem Beratungsgespräch mit Ihrem Versicherungsberater Ihre Bedürfnisse genauestmöglich fest:
– Wie hoch ist meine Steuerersparnis im Jahr der Einzahlung?
– Wie hoch wird meine Steuerbelastung während der Auszahlungsphase sein?
– Welche laufende Zusatzrente kann durch die Einmaleinzahlung erzielt werden bzw. über wie viele Jahre muss der Bezug laufen, damit die Investition wieder vollständig ausbezahlt ist?
– Ist die Vorsorgelösung so ausgestaltet, dass Sie neben sich selbst noch eine weitere bezugsberechtigte Person in die Police eintragen lassen können?

4b.) Anleihen:

Mit einer Anleihe borgt man einem Staat oder einer Unternehmung für eine fix definierte Laufzeit von z.B. 20 Jahren Geld. Während der Laufzeit erhält man jährlich eine Zinszahlung einen sogenannten Coupon. Aufgrund dieser laufenden Zahlungen fallen Anleiheprodukte auch in die Anlagekategorie, mit der Sie ein fixes, laufendes Einkommen erzielen. Was ist aber, wenn Sie vor Ablauf der 20 Jahre das investierte Geld wieder benötigen? An sich ist das kein Problem, da Anleihen an der Börse gehandelt werden und Sie die Anleihe auch vor Fristablauf weiterverkaufen können. Allerdings gibt es hierbei ein Problem: Im Moment sind die Zinsen sehr tief und auch die Anleiheprodukte, die von Staaten oder Unternehmen derzeit neu aufgelegt werden, bieten nur niedrige Zinsen. Während sich Staatsanleihen um die 0% bewegen, ist bei Unternehmensanleihen eine etwas bessere Rendite erzielbar.

Wenn sich die Zinsen in den kommenden Jahren wieder erholen, dann werden die Kurse für die aktuell ausgegebenen Anleihen sinken. Warum ist das so? Weil Anleger sich dann lieber die neuen Anleihen mit den höheren Zinsen kaufen, wie jene aus dem Jahr 2016, in dem es nur magere Zinsen gab. Diese werden sozusagen zu Ladenhütern und sind dann nur mit einem Preisabschlag auf den Ausgabekurs zu verkaufen. Ausserdem tragen Sie bei den meisten Anleiheprodukten während der Laufzeit das Inflationsrisiko. Also selbst, wenn Sie bis zum vereinbarten Verfallstag warten, kann es sein, dass Sie kaufkraftbereinigt einen Verlust machen. Um es noch ein weniger komplizierter zu machen: Als Investor sind Sie auch noch dem Emmitentenrisiko ausgesetzt. Tritt während der Laufzeit der Produkte bei Ihrem Schuldner die Zahlungsunfähigkeit ein, so erhalten Sie nur noch sehr wenig bis gar nichts von Ihrer Investition retour.

Wie soll man dann in Anleihen anlegen?
Im Moment sollte man meiner persönlichen Meinung nach nur in zwei Arten von Anleihen investieren:

– Unternehmensanleihen (in CHF) mit kurzer Laufzeit
oder
– Anleihen, die einen Inflationsschutz bieten.

Warum sind gerade diese beiden Kategorien interessant? Unternehmensanleihen bieten höhere Coupons als Staatsanleihen und durch die kurze Laufzeit bleiben Sie flexibel. Steigen die Zinsen, dann können Sie nach dem Verfalltag einfach eine neue Anleihe zu den dann geltenden höheren Zinskonditionen abschliessen.

Anleihenprodukte mit Inflationsschutz sind interessant, da Sie mit diesem Produkt eine Art Versicherungspolice für Inflationsrisiken eingeschlossen haben. Steigt die Inflation, z.B. aufgrund der inzwischen seit Jahren andauernden Geldvermehrung der Nationalbanken auf 4% an, so erhöht sich Ihre laufende Rendite aus diesen Anleihen ebenfalls um 4%.

Inflationsgeschuetzte Anleihen

Aufgrund der eingangs dargestellten Risiken sollte man im Pensionsalter all zu hohe Risiken bei der Geldanlage vermeiden. Dennoch macht es Sinn, das Kapital sinnvoll zu investieren und dabei eine möglichst gute Verzinsung bei minimalsten Risiken zu realisieren. Das oberste Kredo muss aber lauten, das Geld so anzulegen, dass man keine Verluste erleidet.

Mein persönliches Musterportfolio für das Rentenalter, welches auf laufende Einnahmen, Kapitalschutz und einer Teilnahme an den hoffentlich positiven Entwicklungen des Kapitalmarktes ausgelegt ist, sieht in etwa wie folgt aus:

– 50% BVG als Annuitätenprodukt (Laufende Einnahme, Absicherung Langlebigkeitsrisiko, Zinszahlungen und Aufzehrung des Kapitals),
– 20% Aktien und
– 30% Bargeldbestand oder Anlage in Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit in CHF (15%) bzw. inflationsgeschütze Anleihen (15%).

Ich bin der Meinung, dass es ausreicht in total in vier bis sechs Anlageprodukte zu investieren. So bleibt Ihr Portfolio übersichtlich und Sie reduzieren damit die Komplexität auf ein Minimum. Achten Sie vor allem darauf, dass Sie zu minimalen Kosten investieren.

Abschliessend möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass wir im Rahmen des Praxisverkaufs keine Vermögensberatungen anbieten.
Linksammlung zum Thema:
www.swisslife.ch
www.justetf.com